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Volle Hütte war am Sonntag beim Rechtsschutzsaal in Bildstock. Rund 400 Besucher nutzen das schöne Wetter, machten sich auf zum Rechtsschutzsaal in Bildstock, sorgten dafür, dass das neue Musikfestival „Lieder unterm Dach“ ein voller Erfolg wurde. Bürgermeister und Vorstandsvorsitzender Rolf Schultheis konnte um 11 Uhr bereits viele interessierte Gäste bei strahlendem Sonnenschein begrüßen.

Über den Tag spielten fünf Bands dort unter dem Motto: Demokratie, Mitbestimmung, demokratische Gesellschaft. Themen die durchaus unterhaltsam sein können, wie unter anderem Manuel Sattler mit seiner Band zeigte. Der Saarländer besingt seine Heimat in fast akzentfreiem „Saarbrigger Platt“ und erzählt Geschichten über Atommüll, kaltes Bier und sonstige bedeutende Dinge im Leben. Die Gruppe Eckstein hat musikalisch an die Anfänge des Rechtsschutzsaals erinnert. Zuvor hatten die saarländischen Folker „Eckstein“ mit ihrem „Warken Eckstein Lied“ an die kämpferischen Wurzeln des Rechtschutzsaals erinnert.
  
Entsprechend positiv werteten die Veranstalter: Arbeitskammer, DGB und Stiftung Rechtsschutzsaal das Ereignis. „Lieder unterm Dach“ sind mehr als eine Musikveranstaltung“ betont dann auch Thomas Otto, Hauptgeschäftsführer der Arbeitskammer, „wir haben politische Botschaften, die wir musikalisch unter die Leute bringen wollen.“ Ähnlich sieht das auch Eugen Roth, stellvertretender Vorsitzender des DGB Rheinland-Pfalz. „Politik, musikalisch, humoristisch, aber ernsthaft und seriös unter die Leute gebracht“, so eine Veranstaltung hat das Land gebraucht. Das wird vielleicht auch Bildungsminister Ulrich Commerçon gedacht haben, als er dem Fest einen Besuch abstattete. 

Freiheit – Brot – Gerechtigkeit!

Der Rechtsschutzsaal steht seit 125 Jahren für Solidarität

Der altehrwürdige Rechtsschutzsaal in Bildstock feierte vor wenigen Tagen sein 125-jähriges Bestehen mit einer Vielzahl von Gästen. Dank der Saarländischen Arbeitskammer und des Deutschen Gewerkschaftsbundes war es möglich gewesen, dieses große Fest auf die Beine zu stellen, bei dem um Spenden zur Unterstützung der Stiftung Rechtsschutzsaal gebeten wurde.
 
An dem Abend fand sich zahlreich die Prominenz aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben ein. Das Programm stellte vor allem die schweren frühen Jahre des Bergbaus an der Saar in den Mittelpunkt. Bürgermeister Schultheis erinnerte bei seiner Eröffnungsrede daran, dass Arbeitsrechte nicht vom Himmel fallen. Er betonte, dass sie immer wieder aufs Neue hart erkämpft werden müssen. Man müsse sich immer wieder in Erinnerung rufen, unter welch harten und leidvollen Bedingungen die  Bergleute und ihre Familien leben und arbeiten mussten. 

Im Verlauf seiner Festansprache gestattete Dietmar Geuskens, Vorsitzender des IGBCE-Bezirkes Saarbrücken, einen Blick auf die historische Entwicklung der Rechtsschutz-bewegung.

So sei innerhalb recht kurzer Zeit die Zahl der Bergarbeiter von etwa 4600 auf fast 19 000 angewachsen. Geuskens erinnerte an 12-Stunden-Schichten untertage und daran, dass die Bergleute in den Grubenstollen eingeschlossen wurden. Auch, dass die Absperrgitter den Nährboden des Protestes sprach Geuskens an – im späteren Verlauf des Abends ging auch die Hasborner Theatergruppe darauf ein.

Der in Hasborn geborene Nikolaus Warken organisierte die ersten Streiks unter der Fahne des Rechtsschutzvereines, um für die Bergleute und ihren Familien gerechtere Lebens- und Arbeitsverhältnisse zu erlangen.  Da Versammlungen unter freiem Himmel nicht erlaubt wurden, errichtete man den Rechtsschutzsaal – nach einem Entwurf des Saarbrücker Architekten Heinrich Güth. Im Mai 1892 sollen Tausende von Bergleuten die Steine zum Baugelände gebracht haben.

Mit Hilfe von Industriellen-Familien wie Vopelius und Stumm habe man es jedoch geschafft, den 1889 gegründeten Rechtsschutzverein zu zerschlagen. „Die Preußische Bergverwaltung griff kompromisslos durch“, sagte Geuskens.

Eugen Roth, Vorsitzender des Beirates der Stiftung Rechtsschutzsaal und Vorsitzender des DGB Rheinland-Pfalz/Saar und Landtagsabgeordneter hielt fest, dass es in Deutschland keinen Ort gebe, wo Sozialgeschichte so sehr geschrieben wurde. Er forderte eine höhere Förderung, damit das Angebot im Rechtsschutzsaal erweitert werden könne. Die Pläne dazu seien vorhanden, doch es fehle „die Kohle.“

Auf dem Programm des Abends stand auch eine Diskussionsrunde zur Zukunft der Industriekultur im Allgemeinen und des Rechtsschutzsaales im Besonderen. Dazu hatten sich hochrangige Vertreter der saarländischen Politik angesagt.

Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger plädierte für „mehr Solidarität mit dem Haus der Solidarität“, etwa durch Gewerkschafts-Veranstaltungen vor Ort. Justiz-Staatssekretär Roland Theis  teilte mit, dass das Land voll hinter dem Saal stehe und regte an, ihn als Ort für soziale Debatten zu nutzen. Die Landtagsabgeordnete Barbara Spaniol  setzte sich für mehr Investitionen ein.

Aus dem Stück „Eckstein ist Trumpf“ hatten die Mitglieder des Theatervereines Hasborn auszugsweise einige Szenen zur Aufführung gebracht. Nicht fehlen durfte dabei die Erinnerung an die schweren Eisengitter, mit denen die Bergleute eingesperrt wurden. Aber auch die anderen unwürdigen Abhängigkeitsverhältnisse zu Vorgesetzten im Bergbau wurden eindrucksvoll dargestellt. Einmütig erklang die Forderung:  „Wir brauchen einen Rechtsschutzverein“.
Der Rechtsschutzsaal, der auch als „Haus der Solidarität“ bezeichnet wird, verdient es in seiner denkmalwürdigen Bedeutung betrieben und unterhalten zu werden. Dass dies nicht ohne eine verlässliche Finanzierung und Personalisierung geschehen kann, sollte allen Gästen des Abends klar geworden sein. Es steht nun zu hoffen, dass sich die Unterstützung nicht auf Lippenbekenntnisse beschränkt, sondern auch zeitnah auf dem Konto der Stiftung Rechtsschutzsaal spürbar wird.


www.rechtsschutzsaal.de freigeschaltet

Unter www.rechtsschutzsaal.de ist das älteste Gewerkschaftshaus Deutschlands jetzt im Internet präsent. Der attraktive Auftritt präsentiert das Haus und seine Historie. Das Gebäude und die einzelnen Räume, die nach verdienten saarländischen Gewerkschaftern benannt sind, werden vorgestellt und auch der schöne Kastaniengarten und die Restauration sind online zu bewundern.

"Der Rechtschutzsaal wurde erst vor kurzer Zeit sehr aufwendig renoviert und präsentiert sich jetzt in eindrucksvoller Art und Weise. Ich bin sehr froh, dass das Haus und die Geschichte rund um den Rechtsschutzverein und dessen Gründer Warken Eckstein jetzt über das WorldWideWeb für jedermann erlebbar ist", erläutert Rolf Schultheis, Vorsitzender der Stiftung Rechtsschutzsaal und Friedrichsthaler Bürgermeister bei der Erstpräsentation des Internetauftritts, den er mit einem ersten Mausklick gemeinsam mit dem Beiratsvorsitzenden und Gewerkschafter Eugen Roth auf den Weg brachte. Der neu gestaltete Auftritt entstand mit personeller und finanzieller Unterstützung der Arbeitskammer des Saarlandes, wofür Roth und Schultheis sich ausdrücklich bedankten.

„Der Rechtsschutzsaal steht für gelebte Gewerkschaftsgeschichte und ist Symbol für Solidarität und Mitbestimmung. Wir sind sehr froh, ein solches Gebäude im Saarland zu haben“, erklärt Eugen Roth bei der Präsentation. Der Rechtsschutzsaal hat neben seiner musealen und historischen Bedeutung auch ganz praktische Verwendungsmöglichkeiten. Er steht für Veranstaltungen, Ausstellungen und Zusammenkünfte jeder Art zur Verfügung.

Informationen und Kontaktdaten: www.rechtsschutzsaal.de


Bildstock, 12. Februar 2016